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Elektroautos: Der chinesische Ansatz

Ende der E-Auto-Subventionen in Sicht

Elektroautos sind Verbrennern schon in vielen Punkten überlegen. Beim Preis haben die Stromer bisher aber deutlich das Nachsehen. In China hingegen ist man schon einen Schritt weiter. Dort verfolgt man seit rund zehn Jahren eine ganz eigene Strategie, um das Elektroauto Massentauglich zu machen – und die scheint nun aufzugehen.

Der Chinesische Sonderweg

In China, einem der größten und wachstumsstärksten Absatzmärkten der Welt, beginnt man zunehmend damit, die teils üppigen Förderprogramme von E-Autos sukzessive zurückzufahren. Was hierzulande zu einem massiven Einbruch der Absatzzahlen führen würde, funktioniert dort nahezu problemlos. Der Grund: In Peking hat man seit dem Marktstart des Elektroautos 2011 vor allem darauf hingearbeitet, die Stromer möglichst günstig und damit für den Massenmarkt attraktiv zu machen.

Zu einer Zeit also, als VW viel Zeit und Geld in die Manipulation seiner Diesel investierte und sich die deutschen Premiumhersteller ihrer großen Gewinnspannen sicher sein konnten, begann man in China damit, diesen Plan sukzessive umzusetzen. Auf diese Weise, so das Kalkül der Partei, solle die Massentauglichkeit von Elektroautos sichergestellt werden.

Chinesische Elektroautos mit Abstand am günstigsten

Während man in Fernost dem Elektroauto also konsequent mit dem Rotstift zu Leibe rückte, hat man im Westen genau das Gegenteil gemacht und in teure Hightech-Limousinen investiert. Die sind ihren chinesischen Pendants in technischer Hinsicht zwar deutlich überlegen, dieses Mehr an Leistung geht aber zulasten eines deutlich höheren Verkaufspreises.

Folglich haben sich die Preise für neue Elektroautos in China innerhalb der letzten zehn Jahren halbiert. In Europa und Amerika hingegen sind sie im selben Zeitraum um 28 beziehungsweise 38 Prozent teurer geworden. Und das, obwohl die Preise für die oft als Kostentreiber verschrienen Batterien im selben Zeitraum deutlich gefallen sind. So kostet ein chinesisches Durchschnitts-Elektroauto derzeit rund 22.100 Euro, während dafür in Europa rund 42.600 Euro fällig werden. Selbst in Amerika ist der aufgerufene Betrag mit 36.200 Euro ungleich höher als in China.

Politik der Kostensenkung scheint aufzugehen

Die Preisentwicklung der chinesischen Stromer sorgt nun dafür, dass chinesische Elektroautos mittlerweile auch ungefördert in großer Zahl Abnehmer finden. Das wiederum sorgt so manchen Branchenkenner, schließlich könnten die günstigen Elektroautos aus China bald auch ihren Weg in den europäischen Markt finden. Dann sieht es um die Konkurrenzfähigkeit der einheimischen Modelle denkbar schlecht aus. Wer soll also die teuren Elektroautos noch kaufen, wenn der chinesische Stromer soviel billiger ist?

Nicht nur Festlandchina bläst zum Angriff

Nun greift auch noch der iPhone-Hersteller Foxconn aus dem Nachbarland Taiwan gemeinsam mit dem Marktführer für E-Motoren, Nidec, ins Marktgeschehen ein. Wie Heise berichtet, wollen die beiden Asiaten für den Automobilmarkt das umsetzen, was bereits im Handy-Markt den einstigen Giganten wie Nokia und Siemens den Garaus gemacht hat, eine modulare Auftrags-Massenfertigung von E-Autos. Denn aus Sicht des Foxconn-Gründers Terry Gou ist ein modernes E-Auto auch nichts anderes als ein iPhone auf Rädern. 

Auch die Markentreue wackelt

Die einzige Hoffnung, die da noch bleibt, ist die Markentreue, für die vor allem die deutschen Autofahrer bekannt sind. Die Unternehmensberatung Bain hat in ihrer Studie „Global Automotive Consumer Survey“, die dem Manager Magazin vorlag, jedoch herausgefunden, dass mit dem Wechsel des Antriebs auch die Experimentierfreude der Autokäufer deutlich steigt.

Während sich 86 Prozent der Verbrenner-Käufer schon vor dem Kauf auf eine bestimmte Marke eingeschossen hatten, halbiert sich dieser Wert beim Elektroauto. Anders ausgedrückt: 61 Prozent der Käufer von Elektroautos sind bezüglich der Marke des Stromers noch offen – und dementsprechend experimentierfreudig. Für die deutschen Premiumhersteller dürften damit ein hart umkämpfter Wettbewerb ins Haus stehen.

Quelle Beitragsbild: Lenny Kuhne – Unsplash

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