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Netzdienliches Laden endlich praxistauglich

Das Lastmanagementsystem ChargePilot erlaubt nun auch netzdienliches Laden

Was geschieht, wenn abends alle Elektroautos gleichzeitig geladen werden? Eine Antwort auf den von Kritikern befürchteten Kollaps des Stromnetzes, gibt nun die Firma The Mobility House. Die Münchner haben ihr Lastmanagementsystem ChargePilot um ein Zusatzmodul erweitert, mit dessen Hilfe die prognostizierten abendlichen Verbrauchsspitzen entzerrt werden. Netzdienliches Laden nennt sich der Ansatz, an der bereits seit längerem gefordert wird. Damit kann man die Überlastung des Stromnetzes einfach und effizient vermeiden.

Netzdienliches Laden – was ist das?

Unter dem Begriff „Netzdienliches Laden“ versteht man ein intelligentes Lade- und Energiemanagement. Ziel ist es dabei, den Ladevorgang von Elektroautos mithilfe der Daten des Netzbetreibers zu optimieren.

Grundgedanke des netzdienlichen Ladens ist, dass Stromspitzen abgefangen werden, indem stromintensive Ladevorgänge auf einen Zeitpunkt verlegt werden, zu dem das Stromnetz weniger ausgelastet ist. Die Befürchtung bei Elektroautos ist, dass mit der Anzahl an Fahrzeugen auch die Anzahl an stromintensiven Ladevorgängen steigt. Das gilt insbesondere Abends, wenn viele Leute nach Hause kommen und dort ihr Elektroauto laden. Beim netzdienlichen Laden wird genau diese Verbrauchsspitze entzerrt, indem stromintensive Ladevorgänge zeitlich nach hinten verlagert werden. Wer sein Elektroauto beispielsweise Abends nach der Arbeit zum Laden ansteckt, um am nächsten Tag wieder mit vollem Akku losdüsen zu können, für den ist es unerheblich, wann genau sein Akku lädt.

Weniger Stromausfälle durch netzdienliches Laden

Der Vorteil eines solch dynamischen Lademanagements: Durch das Entzerren der Stoßzeiten wird die Belastung für das Stromnetz deutlich verringert. Das beugt Stromausfällen vor, die ansonsten durch das zeitgleiche Laden von Elektroautos entstehen könnten. Einen weiteren Vorteil für den Netzbetreiber sieht Thomas Rohde von der SWM Infrastruktur GmbH & Co. KG darin, dass „das Netz nicht bis auf das letzte Kilowatt ausgebaut werden muss.“ Geringere Kosten für die Infrastruktur kommen wiederum allen zugute.

Nachts ist Strom billiger

Auch für den Endkunden hat das netzdienliche Laden einen Vorteil. Nach § 14 EnWG ist Letztverbrauchern nämlich ein reduziertes Netzentgelt zu berechnen. Das gilt, „wenn mit ihnen im Gegenzug die netzdienliche Steuerung von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen, die über einen separaten Zählpunkt verfügen, vereinbart wird.“ 

Endlich praxistauglich

Weil man so mit relativ geringem Aufwand eine große Wirkung erzielen kann, ist das Thema netzdienliches Laden schon seit langem immer wieder Thema, wenn es um Elektromobilität geht. Vor einigen Jahren wurde es in einem EU-Projekt namens Smart Vehicle to Grid Interface (SmartV2G) näher erforscht, bei dem auch der Gründer der eMobile Academy, Andreas Varesi, in leitender Funktion involviert war.
Auch der Ingolstädter Fahrzeughersteller Audi hat sich vor einigen Monaten in einem Modellversuch mit dem netzdienlichen Laden auseinandergesetzt, wie wir im Januar bereits berichtet haben
Dem Münchener Unternehmen The Mobility House ist es nun das erste Mal gelungen, das netzdienliche Laden mithilfe einer steuerbaren Verbrauchseinheit praxistauglich zu machen. Der ChargePilot tauscht die notwendigen Daten mit dem Netzbetreiber aus. Dafür beherrscht er unterschiedliche Kommunikationsstandards, wie beispielsweise IEC 60870-5-104 oder OpenADR. Je nach Netzauslastung regelt er dann den Ladevorgang. Selbst mehrere Ladestationen können so mit dem Netzbetreiber kommunizieren und entsprechend gesteuert werden.

Fahrzeugflotten profitieren von Skalierungseffekten

Besonders interessant wird ein solches Lastmanagementsystem, wenn die Ladevorgänge einer ganzen Flotte von Elektroautos damit gemanagt wird. Laut The Mobility House lassen sich bei einer Flotte von 20 Fahrzeugen bis zu 2.400 Euro an Stromkosten im Jahr einsparen.

Indem nun die ersten, mit dem § 14 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) konformen, steuerbaren Verbrauchseinrichtungen auf dem Markt sind, scheint ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur elektromobilen Verkehrswende genommen.

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