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Elektroautos im Winter: Das müssen Sie wissen

Artikel verfasst von Moritz Kopp, Mitgründer von Teslabs

Sie haben bemerkt, dass die Batterieleistung Ihres Elektroautos im Winter im Vergleich zu normalen Wetterbedingungen abnimmt? Und auch das Aufladen dauert länger als gewöhnlich?

Wenn dies auf Sie zutrifft, fragen Sie sich bestimmt, warum E-Autos bei kalten Temperaturen etwas schwächeln – und was Sie tun können, um auch in den Wintermonaten ein einwandfreies Erlebnis mit Ihrem Stromer zu haben.

In diesem Beitrag erfahren Sie alles, was Sie über die Nutzung von Elektroautos im Winter wissen müssen.

Elektroautos im Winter: Das Reichweitenproblem

Die Reichweite von Elektroautos ist im Winter aufgrund der kalten Witterung geringer, sodass Sie Ihr Auto häufiger aufladen müssen. Temperaturschwankungen wirken sich auf die Leistung von Elektroautos aus, das heißt, dass sie mit der gleichen Batterieladung bei kaltem Wetter eine geringere Strecke zurücklegen können als bei warmem Wetter. 

Schätzungen zufolge büßt ein durchschnittliches Elektroauto im Winter ca. 20 Prozent seiner Reichweite ein. Der Grund dafür ist, dass höhere Temperaturen die chemische Reaktion in den Batterien der E-Fahrzeuge begünstigen, während niedrigere Temperaturen sie verlangsamen. 

Dies ist zum Beispiel der Fall bei Lithium-Ionen-Batterien, den häufigsten Zellen in Elektroautos: Hier werden Lithiumionen von der Anode zur Kathode transportiert. Leider schränkt Kälte diese Reaktion ein. Daher müssen Fahrer von Elektroautos im Winter einen gewissen Verlust an Reichweite hinnehmen.

Einige Hersteller von Elektroautos bieten Online-Rechner an, mit denen sich die Auswirkungen von Temperaturschwankungen auf die Reichweite der Batterie ihres Fahrzeugs abschätzen lassen. 

Wenn Sie zum Beispiel eine Zoe R135 unter normalen Bedingungen fahren, kann das Auto laut Renault bis zu 234 Meilen (ca. 376 Kilometer) weit fahren. Aber wenn die Temperatur um 5 Grad sinkt, kann der Zoe bei gleicher Geschwindigkeit nur noch 152 Meilen (ca. 244 Kilometer) zurücklegen, bevor er eine weitere Ladung benötigt. Die geringste Reichweite ist gegeben, wenn die Temperatur unter den Gefrierpunkt fällt.

Vergleich der Reichweite von E-Autos im Winter. Verglichen wird die Reichweite zu normalen Temperaturen und die Reichweite im Winter
Quelle: auto motor sport

Außerdem ist zu beachten, dass der Energieverlust umso höher ist, je größer die Batterie ist. Daher ist es wahrscheinlicher, dass sich die Reichweite Ihres Elektroautos deutlich verringert, wenn es mit einer großen Batterie betrieben wird.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie Ihren Stromer im Winter nicht fahren können. Es bedeutet nur, dass Sie mit einer geringeren Reichweite und einer niedrigeren Ladeleistung rechnen müssen.

Und selbst dann können Sie einige Maßnahmen ergreifen, um die Reichweite Ihrer Batterie zu erhöhen und das Beste aus Ihrer Batterie im Winter zu machen.

Verschneites Eauto im Winter

Tipps für eine maximale Reichweite auch bei kalten Temperaturen

Obwohl Sie im Winter nicht die gleiche Reichweite wie bei wärmerem Wetter haben, können Sie ein paar Tipps und Tricks befolgen, um das Beste aus Ihrer Batterie herauszuholen.

1. Auto beim Laden vorheizen

Dies mag auf den ersten Blick merkwürdig anmuten, aber es ist wichtig zu wissen, dass Ihre Autoheizung einen hohen Tribut an die Reichweite Ihrer Batterie fordert. Studien zeigen, dass die Heizung eines E-Autos bis zu 17 Prozent der Batterie verbrauchen kann

Daher ist es hilfreich, Ihr Elektroauto vorzuheizen, während Sie es noch aufladen. Dadurch wird sichergestellt, dass der Innenraum Ihres Autos nicht kalt ist, wenn Sie es schließlich auf die Straße bringen. Zudem können Sie den Strom aus der Batterie für das Fahren nutzen und so die Reichweite maximieren. 

Wenn Sie beim Aufladen vergessen haben, das Auto vorzuheizen, können Sie auf die Heizung verzichten und den Innenraum mit der Sitzheizung heizen. Die Sitzheizung wärmt nur die Passagiere und nicht den gesamten Innenraum, wodurch der Energieverbrauch gesenkt wird.

2. Reifendruck prüfen

Neben den kalten Temperaturen sind die Straßenverhältnisse ein weiterer Grund für die geringere Reichweite von E-Fahrzeugen im Winter. Im Winter kann die Straßenoberfläche mit Schnee und Schneematsch bedeckt sein. Auch dies kann den Energieverbrauch aufgrund des hohen Rollwiderstands um bis zu 10 Prozent erhöhen. 

Verringern Sie den Rollwiderstand, indem Sie den Luftdruck Ihrer Reifen überprüfen und sicherstellen, dass er angemessen ist. US-Autobauer Tesla empfiehlt etwa einen Reifendruck von 2,9 Bar.

Prüfen Sie den Reifendruck im Winter so oft wie möglich, da sich der Luftdruck in den Reifen bei kalter Witterung schneller verringert. 

3. Rechtzeitig laden

Das Batteriemanagement der E-Fahrzeuge sorgt dafür, dass die Batterie nicht entladen wird, und reserviert einen gewissen Prozentsatz für das Aufheizen des Akkus bei kaltem Wetter. Diese reservierte Batteriekapazität liegt in der Regel zwischen 15 und 20 Prozent. 

Wenn Sie Ihr Fahrzeug aufladen, bevor die Batterie zu schwach wird, haben Sie mehr Spielraum, um es mit optimaler Leistung zu betreiben. Es wird empfohlen, nicht unter 40 Prozent zu gehen, bevor Sie Ihr Elektrofahrzeug an ein Ladegerät anschließen.

4. Bewusst fahren

Auch Ihr Fahrstil beeinflusst, wie viel Reichweite Sie von Ihrer Batterie erwarten können. Wenn Sie für gewöhnlich an eine zügige Fahrweise gewöhnt sind, ist es womöglich an der Zeit, etwas ruhiger durch die Straßen zu navigieren. Starkes Bremsen und Beschleunigen erfordern eine höhere Leistung, was zu einem höheren Energieverbrauch führt. 

Denken Sie daran, dass sich bei hohen Geschwindigkeiten auch der Rollwiderstand erhöht, was sich negativ auf die Reichweite Ihrer Batterie auswirkt. 

Sofern vorhanden, kann auch ein Eco-Driving-Modus helfen, um die maximale Reichweite Ihres Elektroautos im Winter zu erzielen. Obwohl der Effekt nur geringfügig spürbar ist, reduzieren derartige Modi die Bremswirkung auf die Batterie.

Elektroauto Mini auf verschneiter Straße

Laden im Winter: Der beste Weg

1. Batterie vorheizen

Dank des Vorheizens des Innenraums und der Batterie vor der Fahrt können Sie die Reichweite Ihrer Batterie optimal ausnutzen. Das Vorheizen der Batterie ist darüber hinaus eine gute Maßnahme, um die Ladezeit zu verkürzen. Bei vielen E-Fahrzeugen kann der Fahrer die Batterie vor der Fahrt oder beim Aufladen vorwärmen. 

So wird die Batterie auf die ideale Betriebstemperatur für ein möglichst schnelles Ladeerlebnis gebracht. Gleichzeitig wird auch sichergestellt, dass beim Laden der Batterie keine Energie für andere Zwecke abgezweigt wird. Bei Tesla heißt diese Funktion beispielsweise „Batterie vorkonditionieren“.

2. Laden Sie drinnen

Auch wenn nicht jeder Zugang zu einer Indoor-Ladestation hat, ist es gut, wenn Sie Ihr Elektroauto etwa in der Garage aufladen können. Wenn Sie Ihr Elektroauto im Freien parken und aufladen, ist es der Kälte ausgesetzt, wodurch mehr Energie für die Erwärmung der Batterie benötigt wird. 

Stellen Sie Ihr Elektroauto in einer Garage ab, sind Auto und Batterie von der Kälte abgeschirmt.

Somit haben Sie auch die beste Reichweite, wenn Sie mit Ihrem Auto eine Fahrt unternehmen. Die Akkupacks und der Innenraum sind bereits warm und verbrauchen nicht viel von der Reichweite für die Klimatisierung.

Fazit Elektroautos im Winter

Kaltes Wetter kann für E-Auto-Fahrer zunächst furchteinflößend sein, da es die Reichweite der Batterie verringert und die Ladezeit verlängert. Das bedeutet aber nicht, dass der Besitz eines Elektroautos im Winter ein Hindernis darstellt.

Sie können die Reichweite Ihrer Batterie erhöhen, indem Sie Ihr Fahrzeug während des Ladevorgangs beheizen und den Reifendruck überprüfen. Auch das Aufladen in geschlossenen Räumen und das Vorheizen der Batterie vor dem Anschluss an ein Ladegerät tragen dazu bei, die Ladegeschwindigkeit zu erhöhen.

Sie können zwar nicht beeinflussen, wie die Batterie Ihres Elektroautos auf Kälte reagiert, aber Sie können unter Zuhilfenahme einiger Tipps Ihre Batterie schonen und die Reichweite maximieren. So macht es auch im Winter Spaß, elektrisch unterwegs zu sein.

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