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Investieren in E-Mobilität – Teil 2

Wie kann man als Privatanleger vom Wandel zur E-Mobilität profitieren?

Bis 2030 sollen 15 Millionen E-Autos in Deutschland über die Straße fahren. Außerdem soll der Anteil an regenerativen Energien stark steigen. Die Fahrtrichtung ist klar – Nachhaltigkeit wird immer relevanter. Wie kann man jedoch als Privatanleger von diesem Wandel profitieren?

Wir fragen die Experten. Im Interview mit Gero Gode vom Alpha Star Aktienfonds in Augsburg besprechen wir Strategien und Anlageklassen im Bereich der E-Mobilität.

In diesem Beitrag diskutieren wir folgende Themen:

  • Deutsche Autobauer in Gefahr?
  • Alternative Investitionsmöglichkeiten
  • Investitionen in USA und China
  • Rohstoffe als Anlageklasse
  • Wie sieht es aus mit Minenaktien?

Hier geht es zum Teil 1 des Interviews…

 
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Performance des Alpha Star Aktienfonds

 

Disclaimer

Renditen und Kursverläufe der Vergangenheit sind kein Indikator für die Kursentwicklung in der Zukunft. Keine Angabe oder Aussage in diesem Artikel stellt eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf einer Aktie oder eines anderen Finanzinstrumentes dar, sondern dient ausschließlich der Information.

 

Deutsche Automobilbranche in Gefahr?

Raffael: Aktuell handelt es sich ja um eine Revolution der Antriebsart hin zum Elektromotor. Optimale Gelegenheit für die Konkurrenz in den Markt einzusteigen. Gerade aus Asien kommt viel Druck. China mit BYD, Süd-Korea mit Hyundai und Kia. Aus Amerika haben wir Tesla, General Motors… Seht ihr die deutsche Automobilbranche gefährdet?

Gero: Ja. Das ist aber nicht nur in der Automobilbranche so. Wir sind oft in der Schere zwischen Fernost und dem Silicon Valley. In allen Innovationspunkten geben die Regionen, vor allem auch China, unheimlich viel Gas. Zum Beispiel ist das Investitionsverhalten bei privaten sowie  börsennotierten Unternehmen in den USA unheimlich stark. In Asien ist die Innovation oftmals auch noch staatlich gepusht und verordnet. Das ist die große Gefahr.

Aus der Sicht aus eines Investors muss man fast hoffen, dass das VW hinbekommt. Die größte Gefahr bei einem Investment in VW sehe ich darin, dass man davon ausgeht, dass der Absatz steigen wird und daher der Profit. Essenziell sind aber auch folgende Punkte: Erhöhung der Margen, Steigerung der Qualität, Schmälerung des Verwaltungsapparats oder Kostensenkung der Vertriebsketten.

Wenn das nicht passiert, dann ist der schleichende Tod die Gefahr. Gerade bei Konzernen sieht man das immer wieder. Durch Kapitalmaßnahmen wird noch oft versucht, die Gewinne zu optimieren. Das operative Geschäft selbst wächst jedoch gar nicht mehr. Das geschieht bei vielen Unternehmen. Auch bei DAX-Konzernen. Die Gefahr ist, dass man wie ein Frosch im Topf davon ausgeht, dass alles schon wieder wird. Das Wasser beginnt langsam zu kochen und man merkt es nicht. Man steckt dann über Jahre in solch einer Position drin und lässt gute Chancen rechts und links liegen.

Also ich würde daher sagen, man sollte aufpassen und gezielt die Unternehmen heraussuchen, welche mit einer besonderen Innovation in einer Nische agieren.

Alternative Investitionsmöglichkeiten

Raffael: Elektromobilität ist natürlich deutlich mehr als nur der Autobau. In die Zulieferindustrie, allen voran die Batterie- und Zellherstellung, aber auch für den Infrastrukturausbau werden gerade Milliarden an Investitionen ausgegeben. Wie bewertet Ihr diese Segmente aus Sicht von privaten Anlegern? Insbesondere im Anblick auf Risiken und deren Einschätzbarkeit?

Gero: Gerade bei den Zulieferern sehen wir die größeren Chancen. Die einzelnen Technologieanbieter können sehr spannend sein. Und damit meine ich nicht nur Batteriehersteller, sondern auch andere Technologien in diesem Segment. Wir müssen weggehen von nur Automobilherstellern. Wir müssen auch die Randtechnologien beobachten. Ladeinfrastruktur oder auch die Energieversorgung selbst. Das ist der Weg, den man gehen muss, wenn man erfolgreich investieren möchte. Es bleibt gar nichts anders übrig, als auch in diesen Bereich sich zu orientieren. Und da sehen wir auch in Deutschland oder Europa Perlen, die vielversprechend sind. Davon gibt es mehr Unternehmen. Und da haben wir in unserer Region historisch betrachtet einen hervorragenden Hintergrund. Und eine gute Innovationsinfrastruktur.

Investitionen in USA und China?

Raffael: Würden Sie Privatanlegern empfehlen, ausschließlich in ein Unternehmen zu investieren? Oder würden Sie eine Differenzierung über mehrere Hersteller und Länder hinweg empfehlen? Könnte es zu Problemen führen, wenn man in den chinesischen oder amerikanischen Markt investiert?

Gero: Grundsätzlich gilt die alte Börsenweisheit: Leg nicht alle Eier in einen Korb. Das gilt für jeden, der investiert. Bleiben wir mal beim Beispiel Casino. Wenn ich schon ins Casino gehe, dann bitte nicht den gesamten Betrag auf eine Farbe setzen. Sondern viele kleine Beträge. Dann habe ich auch länger Spaß.

Jetzt ist die Aktienauswahl idealerweise kein Glücksspiel, sondern etwas durchdachter. Trotzdem kann ich nie wissen, wer am Ende der Gewinner sein wird. Aber wenn ich in Marktführer in Nischen über mehrere Regionen oder Länder hinweg investiere, profitiere ich natürlich von einem Trend.

Und so muss man unterscheiden. Ich kann mein Investment auf alle Unternehmen aufteilen. Dann habe ich die guten sowie die schlechten Aktien. Wenn ich aber das Gefühl habe, dass ich in der Lage bin, mir die guten herauszusuchen, dann profitiere ich natürlich noch ein wenig mehr als der Markt oder das Wachstum dieses Marktes. Weltweite Streuung ist da genauso relevant. Eigentlich ist auch egal, wo das Unternehmen auf der Welt ist. Hauptsache, es ist ein gutes Unternehmen.

Jedoch haben selbst gute Unternehmen eine Gefahr – gerade auch in China. Das musste man letztes Jahr auch feststellen. Da wurden kurzerhand einzelne Branchen, wie beispielsweise der private Bildungssektor, einfach abgeschafft. Dementsprechend waren die Unternehmen in diesem Segment plötzlich nichts mehr wert. Weil sie eben nicht mehr arbeiten durften. Solch eine Gefahr ist natürlich vorwiegend in China zu erkennen.

In den USA wären das dann eher Kriterien, wie z.B. der Wechselkurs. Ich investiere ja schließlich in US-Dollar. Das ist auch der Teil in einer Diversifikation, die man sich weltweit oder auch europaweit aufbaut. Diese Gefahr würde ich für einen Investor, der streut, aber vernachlässigen.

Man muss das einzelne Unternehmen analysieren und die Gefahren für dieses identifizieren. Da kann eine politische Reaktion einer Regierung relevant sein. Ich persönlich würde von Investments in China die Finger lassen. Dort bin ich aber auch etwas vorsichtiger, also eher risikoavers. Da aber auch der gleiche Aspekt. Habe ich weltweit 20 oder 50 gute Unternehmen, warum sollte ich dann in ein gutes Unternehmen investieren, welches sich in einem politisch instabilen Umfeld befindet? Dieses Risiko kann ich mir doch einfach sparen und woanders am Wachstum partizipieren.

Rohstoffe als Anlageklasse?

Raffael:  Nun kann man ja nicht nur in Unternehmen investieren, sondern auch in Rohstoffe. Schlüsselrohstoffe für neue Energie-Technologien sind vor allem: Kupfer, Kobalt, Nickel, Lithium, Chrom, Zink, Aluminium. Rohstoffe können ebenfalls eine Anlageklasse darstellen. Würdet ihr diese Privatanlegern empfehlen?

Gero: Also eine gute Aktie zu finden, bekommt man hin. Ein Unternehmen, welches gut bewertet ist, ist schon wieder schwerer. Die meisten Privatanleger sind nicht in der Lage, den Wert eines Unternehmens richtig zu analysieren und zu bewerten. Also ob der tatsächliche Wert höher oder niedriger ist als der aktuelle Börsenwert. Allein das ist schon schwer. Noch schwieriger ist es, makropolitische Entscheidungen oder Makrothemen allgemein einzuschätzen. Also, was macht der Markt? Wie wird sich die Wirtschaft entwickeln? Das besteht aus tausenden Komponenten. Ähnlich  ist es meines Erachtens auch bei Rohstoffen. Wir können natürlich sagen, dass die Nachfrage steigt und deswegen wird der Rohstoff wahrscheinlich teurer. Gleichzeitig sieht man auch, dass bei steigenden Preisen wieder in andere Entwicklungen investiert wird. Dann tritt, wie aktuell in Deutschland,  plötzlich ein Lithiumvorrat zum Vorschein. Dieser wird dann abgebaut und plötzlich können Unternehmen unabhängig von dem Rohstoff agieren. Das wirkt sich dann wieder auf den Preis aus. So gibt es meines Erachtens Veränderungen in der Nachfrage.

Wir sehen es auch in der Batterietechnik, diese ändert sich auch extrem. Die neu entwickelten Batterien – in China und Australien gibt es dort ein paar große Unternehmen – sind auch keine Lithium-Akkus mehr. Und sind dabei noch 50 mal leistungsfähiger als die bisherigen.

Daher stellen sich einige Fragen. Welcher Trend wird in Zukunft dominant sein? Welcher dieser Rohstoffe wird gebraucht? Und zu welchem Zeitpunkt? Und dann existieren andere preispolitische Komponenten. Bauen sich Länder aktuell Lager auf?

Das ist ein Thema, welches wir aktuell sehen. Also es ist schwierig in Rohstoffe zu investieren. Ich habe eine Meinung dazu, die meisten Privatanleger bestimmt auch. Aber ernsthaft vorherzusehen, wie sich die Rohstoffpreise entwickeln, ist eher schwierig. Ob jetzt z.B. 60 Euro für ein Fass Öl günstig ist oder nicht? Schwierig zu ermitteln. Folglich ist ein Investment darin auch schwierig. Vor allem dann, wenn man über Auktionen geht. Da kommen zusätzliche potenzielle Risiken in dieses Finanzinstrument.

Ich halte es für problematisch, in Rohstoffe zu investieren. Es existieren aber auch Rohstoff-Töpfe. Diese nennt man ETC, also Exchange Traded Commodities. Geht man davon aus, dass Rohstoffpreise steigen, wäre eine Investition darin unter Umständen sinnvoll. Auch als Inflationsabsicherung.

Raffael: Was denkt Ihrm werden die Preise für Schlüsselrohstoffe weiterhin steigen? Oder kommt es eher zu einer Entspannung am Rohstoffmarkt? Was sind Ihre Vermutungen nach die Treiber für diese Preisanstiege?

Gero: Hätte ich darauf eine Antwort, dann wäre das, was ich davor gesagt habe, Quatsch. Grundsätzlich auch wieder die Frage, wie kam es zu den Preisanstiegen? Klar, die Nachfrage nach vielen Rohstoffen steigt. Gleichzeitig haben wir aber auch Lieferengpässe in allen Bereichen des Lebens gesehen. Und diese sind auch anhaltend. Und ob die nun so schnell abgebaut werden können? Ist die Corona-Welle jetzt vorbei? Können Häfen dann wieder sauber arbeiten? Bekommen sie die Containerkrise in den Griff? Und vor allem, wann passiert das? Das sind wieder undurchschaubare Komponenten. Das ist für mich der Grund, warum es schwer ist, in die einzelnen Rohstoffe zu investieren. Da kann ich also leider gar nichts dazu sagen. Uns interessiert nur, ob Unternehmen in der Lage sind, die steigende Rohstoffpreise weiterzugeben.

Wie sieht es aus mit Minen-Aktien?

Raffael: Jetzt gehen wir in der Lieferkette noch eine Stufe zurück, zu den Minen. Was haltet ihr von dieser Anlageklasse?

Gero: Noch schlimmer. Diese sind extrem abhängig von den Rohstoffpreisen. Minen sind geschlossen oder geöffnet – abhängig vom Preis. Es kostet eben einen bestimmten Betrag, die Rohstoffe abzubauen. Das hat man beim Öl-Fracking einwandfrei gesehen. Ab einem bestimmten Preis wurde es profitabel. Fällt er, sind sie es nicht mehr. Dasselbe gilt für die anderen Rohstoffe auch.

Die größten Gruselgeschichten an der Börse, die ich je gehört habe, entstammen eigentlich genau aus dem Segment. Minenbetreiber kommen mit Papieren an und sagen schau, da haben wir einen Vorrat gefunden. Wenn wir jetzt das Investment zusammenbekommen oder Anleihen ausgeben, dann eröffnen wir die Mine. Danach ist die entsprechende Person in Argentinien verschwunden. Vom Kobalt wurde auch nichts gefunden. In diese Richtung gibt es unheimlich viele Geschichten, die mir im Kopf sind.

Klar, in den letzten Jahren haben auch Investoren viel Geld mit Minen-Aktien gemacht. Aber die Vorhersehbarkeit, ob das jetzt ein langfristig profitables Geschäft ist, ist meines Erachtens nicht gegeben. Welche Unternehmen aber auch ganz interessant sein können, sind Unternehmen, die Lüftungsanlagen oder Schienenfahrzeuge für Minen bauen. Also diese Unternehmen werden definitiv mehr. Ob jetzt die eine Mine super läuft und die andere nicht, kann mir als Unternehmen dann egal sein. Wichtig ist, dass in beiden das Schienenfahrzeug verbaut ist.

 

Im Teil 3 des Interviews besprechen wir folgende Themen:

  • Aktiv gemanagte Fonds Vs. Passiv gemanagte Fonds
  • Tipps für Anleger im E-Mobility Sektor
  • Mögliche Investitionen in Aktien mit Fokus auf Nachhaltigkeit
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